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Joggen 2.0! Laufen mit Köpfchen und Karte!

So, oder so ähnlich, lässt sich Orientierungslaufzusammenfassen.

Einfach gesagt, ist Orientierungslauf (OL) eine Sportart, die den Körper und den Geist gleichermaßen zu 100 Prozent beansprucht und von Jung und Alt ausgeübt werden kann. Diese Aussage ist zwar korrekt, aber diese Aussage ist eine ähnliche Untertreibung, wie die Behauptung `die Reise zum Mond sei eine Leichtigkeit´. Orientierungslauf ist tatsächlich weitaus mehr!

Orientierungslauf ist ein Rausch! Ein Rausch aus Verzweiflung und Erfolg. Aus Fehlermachen und diese wieder Beheben. Ihm liegt das Ziel zugrunde eine möglichst schnelle Route zu finden. Auf dieser muss eine festgelegte Anzahl an Checkpoints (Posten) in der vorgegebenen Reihenfolge abgelaufen werden. Die Reihenfolge (Postenbeschreibung) bekommt der Läufer erst zum Start in Verbindung mit einer Geländekarte. Auf der Karte sind Höhenlinien, Wege, markante Punkte und die Luftlinie zwischen den Posten eingetragen. Als Hilfsmittel stehen jedem Starter lediglich ein Kompass und sein Orientierungsvermögen zur Verfügung. Alle Posten, markiert mit einem rot- weißen Schirmen, sind mit einem elektronischen Zeiterfassungssystem versehen, an denen jeder Läufer seine genaue Ankunftszeit mit einem Chip digital bestätigt. Wer das Ziel am schnellsten erreicht und alle Posten angelaufen hat, gewinnt.

Man ist dauerhaft ausgelastet! Die ständigen Blicke auf die Karte – ins Gelände – auf die Route – auf den Boden – auf den Kompass! Und dann das ganze wieder und wieder von vorne! Dazu ständiges `sich hetzen´! Es ist kein normales konstantes Laufen, nein, eher eine Art Intervalllaufen. Ein kurzer Sprint einen Hang hinauf, darauf folgendes Gehen vor Erschöpfung, damit der Puls wieder runterfährt. Dann ein Stück normales Joggen, aber meistens nicht auf guten ebenen Wegen, sondern mitten durch den Wald – über umgefallen Baumstämme, durch Dickicht oder Dornensträucher – Berg auf und ab. Und immer die Zeit im Rücken. Das alleine ist eigentlich schon eine extreme sportliche Beanspruchung. Jedoch bekommt man diese körperliche Anstrengung beim Laufen kaum mit. Dies ist auch nicht der einzige Grund für diesen `Rausch´! Der andere wichtige Mitspieler, der für den Reiz am OL verantwortlich ist, stellt die geistige Höchstleistung dar. Man hat keine Zeit einen Gedanken über die körperliche Erschöpfung zu verlieren, der Kopf ist anderweitig ausgelastet. Er ist Vollzeit am Arbeiten. Wenn man das zum ersten Mal hört, klingt es ziemlich einfach: „Finde den schnellsten Weg zwischen Punkt A und Punkt B auf der Karte!“, jedoch ist es sehr kompliziert. Man kann sich selbstverständlich an die Luftlinie halten, dieser Weg stellt die kürzeste Strecke dar, aber ist es auch der effizienteste? Sicher nicht immer. Was in der Stadt aufgrund von Häuserblocks und Straßenführungen eh nicht möglich ist, gilt für den Wald genauso. Die Luftlinie kann zum Beispiel durch Dickichte oder über extreme Steigungen führen. Beide Hindernisse würden –abgesehen von den Kratzern oder eventuellen Stürzen- viel Kraft und vor allem Zeit kosten. Genau aus diesem Grunde ist das exakte Planen und die Wahl der richtigen Strecken mit Umwegen und Höheunterschieden -abhängig von der eigenen Kondition und noch vorhandenen Ausdauer- von enormer Wichtigkeit. Auch zu wissen wo man sich stets befindet spielt eine große Rolle. Eine weitere Gefahr beim Entlanghangeln an der Luftlinie ist es meistens genügend Orientierungspunkte zu finden um sein Ziel auch zu erreichen.

Die Herausforderung, permanent mit einem von Sauerstoff unterversorgtem Gehirn im Hochleistungsbereich zu denken und dabei sich körperlich noch zu verausgaben, ist für viele der Reiz, den diese Sportart ausmacht. Wenn man dann noch die Orientierung verliert, sich nicht mehr sicher ist, wo man sich auf der Karte genau befindet und man merkt, dass die gerade noch aus Überzeugung geplante Route dann doch nicht die Beste war, ärgert man sich ungemein. Diese Wut jedoch kann man aber sofort als Antrieb nutzen. Am Ende ist man dann aber froh und glücklich, wenn man am Ziel angekommen ist, alles geschafft hat und vielleicht noch dazu eine gute Zeit gelaufen ist. Ein paar leichte Blessuren tragen die meisten auch noch davon! Aber selbst das lässt die Orientierungsläufer nicht zurückschrecken.

Ich denke, eine Antwort auf die Frage, ob man verrückt wäre, ist ein ganz klares: `ja´, man muss schon ein wenig bekloppt sein, wie ein Irrer durch den Wald oder die Stadt zu rennt nur um ein paar Checkpoints abzuklappern. Auch die Gewissheit, hinter jedem Hausecke einen Passanten abräumen oder in ein fahrendes Auto springen zu können, sagt ziemlich viel diese Sportler aus. Laufen 2.0 eben! Vielleicht ist es aber auch genau jene Gründe, die die Orientierungsläufer-Gemeinde verbindet, diese interessante Sportart auszuüben – Die idiotisch, gesunde Mischung sich körperlich und im gleichen Maß auch geistig an der frischen Luft zu quälen.

Text und Bild: Daniel Janischowsky

bdr