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Florian Schaller holt Bronze bei der Studenten Weltmeisterschaft in Korea

Florian Schaller, Student der Friedrich – Alexander- Universität, konnte am 29.05. in Pocheon, Korea, den wohl größten Erfolg seiner Karriere erkämpfen. Er gewann nach vier spektakulären Kämpfen die Bronzemedaille bei den 18. Hochschul- Weltmeisterschaften im Mutterland des Sports Taekwondo.

 

Das Team des ADH (Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband) unter der Leitung von Roland Joachim (adh-Vorstand/Hochschule Darmstadt), dem Disziplinchef Alfred Wallraf sowie Bundestrainer Carlos Esteves und Physiotherapeut Andreas Welz war bereits eine Woche vorher in Südkorea gelandet um sich zu akklimatisieren.

Das Turnier war, im Jahre der Olympischen Spiele extrem gut besetzt. Einige Olympiateilnehmer von London waren ebenfalls gemeldet, wie Weltmedaillengewinner aus allen Kontinenten der Erde. Diese versuchten diese Gelegenheit zu nutzen, sich noch wichtige Punkte für die Weltrangliste und damit eine bessere Auslosung bei Olympia zu sichern. Auch im Team der Deutschen trat Helena Fromm (FH Ansbach) als Olympiateilnehmerin an, musste sich allerdings im Viertelfinale der Weltranglisten Ersten Ägypterin geschlagen geben. Auch für Melanie Hartung war im zweiten Kampf Endstation, sie musste sich der Olympiateilnehmerin aus Zentralafrika geschlagen geben. Für Melda Akcan, ebenfalls von der FH in Ansbach, lief es besser, sie konnte sich die Bronzemedaille erkämpfen.

Am Dienstag, den 29.05. war dann der Kamptag der Gewichtsklasse Herren -74kg, Schallers Gewichtsklasse, gekommen. Schaller hatte sich extrem fokussiert auf das Turnier vorbereitet. Trotz seiner gebrochenen Hand, die er aus den Dutch Open davongetragen hatte, spulte er ein enormes Trainingspensum herunter. Bis zu 10 Trainingseinheiten pro Woche waren keine Seltenheit. Dank der hervorragenden ärztlichen Betreuung von Dr. Peter Wack konnte Schaller schon bald wieder Wettkampf trainieren. Stets mit Vorsicht, denn der Bruch war noch nicht vollständig verheilt. Körperlich war er so gut drauf wie noch nie, auch ein Verdienst seines Personal Trainers, Robert Hofmann, der durch gezielte Athletik Übungen Schnelligkeit, Schnellkraft und Schnelligkeitsausdauer trainieren ließ. Schaller arbeitet auch intensiv mit einer Sportpsychologin, Anette Kordik, zusammen um auch auf diesem Gebiet das letzte Quäntchen herauszuholen und diverse Rückschläge schneller verarbeiten und den Fokus total auf das Ziel, eine Platzierung bei der WM, legen zu können.

Schallers Pool war zwar nicht einfach, ganz klar, auf diesem Niveau, aber durchaus machbar, wenn er es schaffen würde stets von Kampf zu Kampf zu denken. Motiviert bis in die Haarspitzen ging Schaller in den ersten Kampf gegen den Canadier Song, der 2011 bei der Universade teilgenommen hatte. Schnell ging Schaller mit einem Kopftreffer aus naher Distanz mit 3:0 in Führung, baute die Führung sogar auf 4:0 aus, eher er seinerseits einen Kopftreffer einstecken musste. Schaller traf immer wieder den Kopf des Canadiers, die Punkterichter sahen dies allerdings anders, da half auch der Protest des Bundestrainers, der zum Video Replay bat, nichts. Nach der zweiten Runde führte Schaller dennoch mit 7:6. In der dritten Runde erhöhte der Feuchter die Führung auf 10:7, was auch der Endstand war, bekam allerdings wieder einen harten Schlag auf seine noch nicht vollständig verheilte linke Blockhand, die vermutlich in diesem Kampf wieder brach.

Im Achtelfinale traf Florian auf den Australier Armari. Auch in diesem Kampf ging Schaller wieder schnell durch einen Konter in Führung, kassierte allerdings kurz vor der Pause das 1:1. In der zweiten Runde griff Schaller wieder an und es gelang ihm durch zwei schnelle Cut Paldungs mit 3:1 in die Pause zu gehen. In der dritten Runde sollte es zunächst noch einmal spannend werden, Schaller kassierte einen Minuspunkt zum 3:2, ehe er durch einen Doppelpaldung im Nachsetzen und einen Cut Paldung die Weichen auf Sieg stellte. In den letzten Sekunden brachte Schaller noch einen sensationellen Kopftreffer aus der Drehung an und siegte somit mit 9:2.

 

 

Im Viertelfinale, den harten Kampf um eine Medaille, traf Schaller dann auf Mahmoud Fathy aus Ägypten, einen international hoch angesehenen Kämpfer. Gegen den an Reichweite deutlich überlegenen Ägypter ging Schaller zunächst mit 1:2 in Rückstand. Schaller ließ sich dadurch nicht an aus der Konzentration bringen und attackierte immer wieder um schließlich erneut einen Kopftreffer zu landen. Immer wieder griff Schaller an und traf am Mann wiederholt mit Doppelpaldungs. Fathy hielt Schaller im Infight jedoch fest, als dieser zum Doppelpaldung ansetzte, wodurch der Feuchter ein ums andere mal hinfiel. Der Kampfleiter ahndete allerdings nicht nur das Fehlverhalten des Ägypters nicht, sondern verwarnte den Deutschen immer wieder wegen Hinfallens. Schaller führte dennoch mit 8:4. Nach einer Aktion zum Kopf des Deutschen drückten die Punkterichter einen Kopftreffer zu Gunsten des Ägypters. Der Protest des Bundestrainers, Carlos Esteves, war von Erfolg und somit der alte Vorsprung wieder hergestellt. Auch die Umsetzung der taktischen Anweisung weniger mit Doppelpaldung zu agieren verhalf dem Feuchter zu etwas mehr Stabilität, hatte er nach der zweiten Runde immerhin schon 2,5 Minuspunkte. In der dritten Runde hatte Schaller weitere Treffer erzielen können, aber auch zwei weitere halbe Minuspunkte erhalten, weshalb die Spannung kaum zu überbieten war. Er führte zwar mit 10:6, durch die ständigen Verwarnungen war er allerdings nur noch einen halben Minuspunkt davon entfernt disqualifiziert zu werden. Die letzten 40 Sekunden musste er also noch ohne Verwarnung überstehen aber dennoch auf der Hut sein um keinen Kopftreffer zu kassieren. Mit dem Schlussgong protestierte der ägyptische Coach nochmals, bekam aber nicht Recht und somit schaffte Schaller nach diesem nervenaufreibenden Kampf den Einzug ins Halbfinale und damit mindestens die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft. „Selbst wenn mach sich den Kampf im Nachhinein per Video ansieht ist die Spannung spürbar und die missliche Situation in der sich Flo befand“, so sein Heimtrainer und Bruder Sebastian Schaller.

 

Im Halbfinale hatte es Schaller mit dem Lokalmatadoren Seo, amtierender Vize Asien Meister, zu tun. Schaller konterte gleich einen Angriff des Koreaners mit einem Ditchagi, womit er mit 2:0 in Führung ging. Kurz darauf traf Seo den Kopf des Feuchters, der dann aber noch zum 3:3 ausgleichen konnte. In der zweiten Runde erhöhte der Koeraner die Schlagzahl. Schaller musste einen Ditchagi, einen Fautstoß und einen Konter Paldung einstecken und lag somit mit 3:7 zurück. Losgelöst von allen taktischen Vorgaben, setzte Schaller in der dritten Runde alles auf eine Karte und attackierte den Koreaner immer wieder um den Rückstand aufzuholen. Der Koeraner nutzte dies und traf Schaller mit einem Pandae Dollyo Chagi am Kopf. Es stand 4:12 aus Sicht des Feuchters. Florians Kampfeswille war noch nicht gebrochen, er versuchte alles, den Finaleinzug doch noch zu realisieren. Der Koreaner konnte kaum noch stehen, schaffte es allerdings noch den Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Total ausgelaugt, mit abermals gebrochener Hand, aber überglücklich und Siegerlächeln auf den Lippen begab sich Schaller zur Siegerehrung um seine wohlverdiente, hart umkämpfte Bronzemedaille in Empfang zu nehmen.

 

„Dieser Erfolg wäre ohne das gesamte Team des TSV Feucht nicht möglich gewesen. Ohne die Trainingspartner Dominik Orzol und meinen Bruder Benni, ohne die Trainer und Verantwortlichen der Abteilung, die mir stets optimale Voraussetzungen geboten haben, wäre ich nie so weit gekommen, so der Feuchter nach seiner Heimkehr nach Deutschland.